Anregungen zum Umgang

Hier finden Sie eine Aufstellung von Anregungen, die zum Teil psychologisch gestützt oder aber von Eltern erfolgreich entwickelt wurden. Haben Sie bitte Verständnis, dass wir nicht auf alle Auffälligkeiten aus dem autistischen Spektrum eingehen können. Konkrete Hilfe in Einzelfällen erhalten Sie bei Autismus-Therapiezentren, Ansätze von erfolgversprechenden Therapien finden Sie auch in diversen Büchern zum Thema.

Empfehlungen und Methoden

Hier finden Sie allgemeine Ratschläge und Methoden, die Eltern autistischer Kinder erfolgreich anwenden. Die Aufstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Korrektheit. Probieren Sie nur aus, was Sie selbst als vernünftig erachten, denn nicht alles passt auch auf jedes Kind. Lassen Sie sich bitte immer von Ihrer inneren Stimme leiten.

Lob und Tadel

Versuchen Sie, auf Tadel (Schimpfen, Stimme erheben usw.) zu verzichten. Bleiben Sie nach Möglichkeit immer ruhig und gelassen. Das ist einfacher gesagt als getan. Dennoch: Ihr Kind kann nichts für sein Verhalten und kann manches einfach nicht verstehen. Loben Sie Ihr Kind sofort für erfolgreiches Verhalten oder auch nur für den Versuch, etwas richtig zu machen. Einen Hund würden Sie ebenfalls sofort belohnen, damit er versteht, dass er Ihnen bei "Gib Pfötchen" die Pfote entgegenstrecken soll. Tun Sie ähnliches auch bei Ihrem Kind, damit es das Lob oder die Belohnung in Bezug zu dem setzen kann, was Sie erreichen möchten. (Lesen Sie auch nachfolgend "Einfache und klare Befehle".) Statt zu schimpfen, sollten Sie konsequent sein. (Lesen Sie bitte auch "Regeln und Routinen" weiter unten)

Einfache und klare Befehle, komplexe Bitten aufteilen

Je jünger ein autistisches Kind ist beziehungsweise je auffälliger es ist, desto einfacher und konkreter sollten Sie Ihre Bitten formulieren. Zum Beispiel nicht sagen: "Ich möchte, dass du nach dem Essen deinen Teller wegräumst.", sondern bis nach dem Essen warten und dann sagen: "Nimm den Teller.", warten bis Ihr Kind den Teller in der Hand hält und dann dazu auffordern, den Teller auf die Spüle bzw. in den Geschirrspüler zu stellen.

Wenn Sie möchten, dass sich Ihr Kind selbst eine Scheibe Brot mit Butter und Marmelade bestreicht, sollten Sie den Vorgang in einzelne Schritte aufteilen: Zu Beginn dazu auffordern, eine Scheibe Brot auf den eigenen Teller legen, den Rest erledigen Sie. Sobald Ihr Kind dies gelernt hat, soll es versuchen, Butter auf der Brotscheibe zu verteilen, den Rest erledigen wiederum Sie. Ist auch das geschafft, kommt jetzt die Marmelade dran. Ist auch das gelernt, wird im letzten Schritt die Brotscheibe durchgeschnitten. Es geht aber auch umgekehrt: Schmieren Sie das Brot selbst, Ihr Kind soll es nur noch zerteilen. Im nächsten Schritt kann es Marmelade verstreichen usw. bis hin zum Anfang.

Belohnungssystem

Ein Belohnungssystem bietet sich an, wenn Ihr Kind über eine einigermaßen normale Kommunikation verfügt (Wenn Ihr Kind Sie - in welcher Form auch immer - verstehen kann). Wie ein solches System aussehen kann, ist individuell unterschiedlich und muss auf das jeweilige Kind zugeschnitten sein. Hier nur ein paar Ansätze:

Bieten Sie Ihrem Kind einen Keks oder andere Süßigkeiten, die es mag, als Belohnung an. Etwa so: "Wenn du das gemacht hast, bekommst du einen Keks."

Wenn Ihr Kind einer Aufforderung nachgekommen ist, geben Sie ihm ein beliebtes Spielzeug. Alternativ können Sie das Spielzeug in unmittelbare Sichtweite Ihres Kindes legen und das Spielzeug bei jedem erfolgreichen Handeln etwas weiter zum Kind schieben, bis das Spielzeug nahe genug ist, um dann damit zu spielen. Die letzte Methode lässt sich zum Beispiel gut beim Essen einsetzen (mit jedem Bissen kommt das Spielzeug näher) oder bei Hausaufgaben (nach jeder Aufgabe wird das Spielzeug näher gerückt) oder aber auch beim Anziehen (mit jedem Kleidungsstück kommt das Spielzeug näher). Bei dieser Methode hat Ihr Kind ein Ziel vor Augen, für das es sich lohnt, Ihren Forderungen auch nachzukommen.

Bei manchen autistischen Kindern hat sich ein Punktesystem bewährt. Wie eine Punktevergabe aussehen kann, lässt sich leider nicht pauschal sagen. Grundsätzlich werden beim Punktesystem für alle Dinge, die das Kind lernen soll, Punkte vergeben. Zum Beispiel: 1 Punkt für das selbständige Anziehen, 1 Punkt für ordentliche Tischmanieren, 1 Punkt für das Probieren unbekannter oder unbeliebter Nahrungsmittel, 2 Punkte für das Erledigen der Hausaufgaben.

Die Punkte können gesammelt und gegen diverse Dinge eingetauscht werden. Zum Beispiel: 3 Punkt für eine halbe Stunde am Computer oder Fernsehen, 2 Punkte für ein Eis, 10 Punkte für ein neues Spielzeugauto. Wichtig ist, dass es Dinge sind, die Ihr Kind gern tut oder haben würde.

Der Nebeneffekt beim Punktesystem: Ihr Kind lernt und trainiert das Rechnen. Für ältere Kinder können die Punkte daher auch vervielfältigt werden. Also etwa 10 oder gar 100 Punkte fürs Anziehen, dafür müssen aber im Umkehrschluss auch zum Beispiel 1000 Punkte gesammelt werden, um zum Beispiel ein kleines Spielzeug zu erhalten.

Punkte können unterschiedlich aussehen, der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Es eignen sich zum Beispiel selbstgebastelte Sonnen oder Sterne, die in einer Schachtel aufbewahrt werden, aber auch Pinnwandnadeln auf einer Pinnwand (Achtung: Verletzungsgefahr insbesondere für kleinere Kinder) sowie Plättchen oder Chips (zum Beispiel aus dem Roulette). Farbige Chips oder Pinnwandnadeln haben zudem noch den Effekt, dass sie je nach Farbe bestimmte Werte darstellen können: gelb = 1 Punkt, blau = 5 Punkte, rot = 10 Punkte. Auch hier kann das Kind rechnen und sogar multiplizieren üben (4 blaue Chips zu je 5 Punkten = 20 Punkte = 2 rote Chips zu je 10 Punkten).

Verstärkersystem

Unter einem Verstärker versteht man Lob und Belohnung, aber auch eine Geste oder eine Handreichung wie etwa dem Kind beim Malen die Hand führen. Verstärker, die auf Gesten aufbauen, können im Gegenzug zu Belohnungen leichter zurückgenommen werden. Um beim Beispiel des Malens zu bleiben, würde das folgendes bedeuten: Im ersten Schritt die Hand des Kindes führen, im folgenden Schritt den eigenen Druck immer weiter reduzieren, anschließend nur noch die Hand auflegen, später reicht dann vielleicht schon ein Finger auf dem Handgelenk des Kindes.

Regeln und Routinen

Stellen Sie Regeln auf, die Ihr Kind versteht und halten Sie sich selbst an diese Regeln. Seien Sie konsequent und halten Sie in jedem Fall auch Versprechungen ein. Kündigen Sie eine Änderung im Tagesablauf rechtzeitig und wenn es sein muss mehrfach an. Machen Sie sich für Ihr Kind berechenbar nach dem Motto: Was gestern galt, gilt auch heute und wird auch morgen so sein.

Wörtliches Verstehen, Sprichwörter und Redewendungen

Autistische Menschen verstehen vieles wörtlich. So verstehen sie zum Beispiel unter dem Ausruf "Ich bin stinksauer!" unter Umständen etwas ganz anderes als ihr Gegenüber. Eine Reaktion auf einen solchen Satz könnte sein, dass das autistische Kind an Ihnen schnuppert und danach vielleicht Ihre Hand beleckt. Eine Antwort - wenn sie überhaupt kommt - könnte so ausfallen: "Du stinkst nicht und sauer schmeckst du auch nicht."

Vermeiden Sie daher Sprichwörter und Redewendungen oder erklären Sie Ihrem Kind, was Sie damit in Wirklichkeit ausdrücken möchten.

Höflichkeit trainieren

Allgemeine Informationen

Autistisch Behinderten sind Begriffe wie "Bitte" und "Danke" nicht immer verständlich. Auch die verschiedenen Höflichkeitsbekundungen bei Begrüßung und Verabschiedung sind für einige Autisten nicht nachvollziehbar.

Bedenken Sie, Änderungen kommen nicht über Nacht. Selbst wenn Sie es schaffen, dass sich Ihr Kind bei Ihnen bedankt, wird die Tante darauf unter Umständen noch warten müssen. Ihr Kind muss nämlich auch lernen, das bei Ihnen Erlernte auch auf andere Situationen und damit auch auf andere Menschen zu übertragen. Wenden Sie von den hier beschriebenen Methoden nur die an, die Sie selbst für sinnvoll erachten und die Ihr Kind Ihrer Meinung nach auch versteht.

Höflichkeit vorleben

Seien Sie selbst ausgesprochen höflich, auch gegenüber Ihrem Kind. Sagen Sie nicht: "Komm zu mir!", sondern "Komm bitte zu mir!". Bauen Sie in alle Aufforderungen das Wörtchen "bitte" mit ein. Ist Ihr Kind einer Aufforderung nachgekommen, kommentieren Sie dies mit "Danke" oder auch so: "Du hast dein Zimmer aufgeräumt. Vielen Dank."

Bitten Sie Familie, Freunde und Bekannte ebenfalls um ein höfliches Vorleben.

Höflichkeitsregeln erklären

Erklären Sie Ihrem Kind, warum es der Tante die Hand zur Begrüßung reichen oder sich für ein Geschenk bedanken soll. Führen Sie die Hand Ihres Kindes, wenn es selbst dazu nicht in der Lage ist. Aber verlangen Sie nichts. Loben Sie Ihr Kind, wenn es Höflichkeit zeigt und belohnen Sie es auch dafür.

Erklären Sie, dass sich der Schenkende über das einfache Wort "Danke" ebenso freut wie sich Ihr Kind über das Geschenk freut.

Höflichkeiten (Worte, Sätze) vorsprechen

Vielen autistisch Behinderten bleiben die Worte im wahrsten Sinn dieses Wortes im Mund stecken. Helfen Sie Ihrem Kind, indem Sie ihm einen passenden Satz vorsagen. Möchte Ihr Kind eine/n Freund/in einladen, begleiten Sie Ihr Kind zum gewünschten Spielkameraden und sprechen Sie Ihrem Kind die Bitte in etwa so vor: "Kommst du zu mir zum Spielen?"

Bei Geschenken genügt schon das einfache Wort "Danke" zum Vorsagen. Weitere Gelegenheiten, bei denen Sie Ihrem Kind etwas vorsagen können, sind zum Beispiel: beim Arzt ("Mir tut der Bauch weh."), bei einer Geburtstagsfeier ("Herzlichen Glückwunsch" oder "Alles Gute"), beim Bäcker ("Ich möchte einen Brezel.").

Auch auf die Gefahr hin, dass wir uns wiederholen: Erzwingen können und sollten Sie nichts. Motivation mit Lob ist besser geeignet.

Körperkontakt zulassen

Körperkontakt zuzulassen, fällt vielen Kindern mit Autismus schwer. Es dauert lange, bis sich eine Änderung zeigt, rechnen Sie mit etwa einem Jahr Training. Nutzen Sie für solche Aktivitäten eine Zeit, in der sich Ihr Kind wohlfühlt.

Bitte bedenken Sie, dass nicht jede genannte Empfehlung für jedes autistische Kind geeignet ist. Probieren Sie von den hier beschriebenen Methoden nur die aus, von denen Sie selbst überzeugt sind und die Ihr Kind auch annimmt. Bedenken Sie bitte auch, dass es nicht darauf ankommt, möglichst schnell eine Änderung herbeizuführen, sondern eine langsame, dafür aber umso erfolgreichere Methode den größeren und dauerhafteren Nutzen hat.

Aufbau von Körperkontakt

  • Berührungen allgemein

    Finden Sie zunächst heraus, ob Ihr Kind an gewissen Körperstellen Berührung erlaubt und in welcher Intensität (leichte oder feste Berührung, Druck oder Streicheln usw.) Manche Kinder lassen sich an den Füßen oder im Nacken berühren. Sobald Sie herausgefunden haben, an welchen Stellen Ihr Kind Berührung zulässt, streicheln oder massieren Sie es dort. Probieren Sie auch Gegenstände aller Art aus (Feder, Ball, feste oder weiche Gegenstände, Schwämme, Tücher etc.) und experimentieren Sie auch mit Pusten über Arme oder Beine. Weiten Sie allmählich die Dauer der Berührung aus und variieren Sie die Art und Weise der Berührung. Hören Sie auf, wenn Ihrem Kind die Berührung unangenehm wird.

  • Umarmungen

    Sofern es dem Kind Spaß macht, eignen sich Raufen und Balgen oder Fangen spielen hervorragend, um ein autistisches Kind auf Umarmungen vorzubereiten. In jedem Fall sollte die nachfolgende Methode in ein Spiel integriert werden.

    Fangen Sie Ihr Kind und halten Sie es solange fest, bis Sie merken, dass Ihrem Kind die Umklammerung unangenehm wird. Halten Sie Ihr Kind allmählich immer etwas länger fest, aber nie gegen den Willen Ihres Kindes. Je öfter Sie Fangen spielen, desto schneller werden Sie feststellen, wann die Grenze der Zumutbarkeit erreicht ist.

Liebkosungen

  • Allgemeine Ratschläge

    Wer nicht berührt werden möchte, lässt erst recht keine Küsschen zu. Es ist daher wichtig, zunächst Körperkontakt aufzubauen (siehe oben). Um miteinander zu kuscheln, eignet sich die Zubettgehzeit.

    Integrieren Sie "Küsschen geben" in ein Spiel, das Ihrem Kind Spaß macht. Wenn Ihr Kind keine angefeuchteten Lippen erträgt, achten Sie darauf, dass Ihre Lippen immer trocken sind.

  • Kuscheln

    Legen Sie sich zum Beispiel bei der Gute-Nacht-Geschichte zu Ihrem Kind ins Bett. Bemühen Sie sich darum, dass sich Ihr Kind an Sie kuschelt bzw. versuchen Sie, Ihr Kind dabei in den Arm zu nehmen. Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie sich darüber freuen, wenn es sich freiwillig an Sie kuschelt und unterlassen Sie solche Mitteilungen, wenn Sie merken, dass sich Ihr Kind daraufhin zurückzieht. Kuschelzeiten können natürlich auch auf dem Sofa stattfinden und ganz allgemein überall dort, wo sich Ihr Kind wohlfühlt und in einer Zeit, in der es aufnahmefähig ist. Verlangen Sie aber nie mehr als Ihr Kind zu geben bereit ist.

  • Küsschen geben

    Um bei der Variante der Gute-Nacht-Geschichte zu bleiben, können Sie beim Kuscheln "ganz unbeabsichtigt" die Wange Ihres Kindes mit Ihrer eigenen Wange streifen, später dann evt. mit dem Mund. Wenn Ihr Kind diesen "Angriff" zulässt oder nicht bemerkt, können Sie versuchen, Ihrem Kind in späteren Versuchen ein Küsschen auf die Wange zu hauchen. In keinem Fall darf ein solches Vorgehen als Bedrohung empfunden werden. Unzählige kleine Schritte sind besser als ein einziger großer Schritt!

    Weiten Sie allmählich das Küsschen geben aus, indem Sie dies öfter tun und bei diversen anderen Gelegenheiten. Zum Beispiel: Ihr Kind sitzt über den Hausaufgaben, Sie begutachten die Arbeiten und streifen dabei wiederum "ganz unbeabsichtigt" die Wange Ihres Kindes zunächst mit Ihrer eigenen Wange, später dann auch mit Ihrem Mund.

Blickkontakt aufbauen

Blickkontakt aufzubauen und erst recht diesen auch zu halten, fällt vielen Kindern mit Autismus schwer. Viele können entweder jemanden anschauen oder mit diesem sprechen. Beides zusammen geht nicht. Es kann daher lange dauern, bis sich eine Änderung zeigt. Nutzen Sie für Übungen eine Zeit, in der sich Ihr Kind wohlfühlt.

Bitte bedenken Sie, dass nicht jede genannte Empfehlung für jedes autistische Kind geeignet ist. Probieren Sie von den hier beschriebenen Methoden nur die aus, von denen Sie selbst überzeugt sind und die Ihr Kind auch annimmt. Bedenken Sie bitte auch, dass es nicht darauf ankommt, möglichst schnell eine Änderung herbeizuführen. Eine langsame, dafür aber umso erfolgreichere Methode hat den größeren und dauerhafteren Nutzen.

Vorübungen

  • Gemeinsam Bilder anschauen

    Schauen Sie sich mit Ihrem Kind einfache Bilderbücher mit einfachen Gegenständen an, wobei Sie zu Beginn Bilder mit Menschen meiden sollten. Erklären Sie beim Betrachten, was zu sehen ist. Gehen Sie dann dazu über, sich mit Ihrem Kind Bilder von Tieren anzuschauen. Zeigen Sie mit dem Finger auf Nase (Schnauze), Mund und Augen, aber auch auf Beine, Pfoten und andere Körperteile. Wenn möglich, kann Ihr Kind ebenfalls auf Körperteile deuten oder gar benennen.

  • Gemeinsam Bilder von Menschen betrachten

    Wenn Ihr Kind Tiere oder Figuren unterscheiden und diese evt. auch richtig benennen kann, gehen Sie dazu über, Zeichnungen und Bilder (keine Fotos!) von Menschen zu betrachten. Auch hier sollten Sie Körperteile benennen und dabei aufzeigen, worin sich Tiere und Menschen gleichen. Zum Beispiel: Tiere und Menschen haben zwei Augen, eine Nase, einen Mund. Das Ziel dabei lautet: Wer vor Tieren keine Angst hat, braucht auch vor Menschen keine Angst zu haben.

  • Gemeinsam Fotos studieren

    Im letzten vorbereitenden Schritt können Sie mit Ihrem Kind Fotos von Tieren betrachten und im Anschluss daran auch Fotos von Menschen. Vielleicht eignen sich dazu ja Familienfotos: Sie als Kind, Ihr Kind selbst, Fotos von Geschwistern oder von Oma und Opa und andere. Aber auch Zeitschriften oder ein Modekatalog eignen sich zum Betrachten von Menschen. Wenn auf Fotos Menschen erkannt und damit als solche identifiziert werden, ist der Schritt zum Aufbau eines Blickkontakts nicht mehr allzu fern.

Blickkontakt aufbauen

  • Erste Schritte

    Voraussetzung zum Aufbau eines Blickkontaktes ist die Notwendigkeit, Menschen auch als Menschen wahrzunehmen, also die Fähigkeit, zum Beispiel zwischen Mama und Papa zu unterscheiden oder auch sich selbst auf Fotos oder im Spiegel zu erkennen.

    Erklären Sie Ihrem Kind, dass es höflich ist, denjenigen auch anzuschauen, mit dem man redet und dass es den anderen verärgert, wenn er oder sie nicht angeschaut wird. Nutzen Sie für Erklärungen Worte, die Ihr Kind versteht. Sagen Sie zum Beispiel nicht: "Es tut mir weh, wenn du mich nicht anschaust." Denn es ist ja kein körperlicher Schmerz, den Sie empfinden. Sagen Sie stattdessen: "Es ärgert mich." oder "Du ärgerst mich." oder auch "Ich bin traurig." Es geht auch positiv: "Wenn du mich anschaust, kann ich dich besser verstehen / dir besser zuhören." oder "Wenn du mich anschaust, freue ich mich darüber." Erklären Sie Ihrem Kind, dass es vollkommen ausreicht, am Gesicht des Gegenübers vorbeizuschauen.

  • Belohnung für erfolgten Blickkontakt

    Loben Sie Ihr Kind, wenn es Sie anschaut. Bieten Sie Süßigkeiten (Keks, Bonbon, Lutscher etc.) als Belohung an oder versprechen Sie Ihrem Kind, dass es sich danach ein Spiel aussuchen darf, das Sie mit ihm spielen. Alternativ können Sie das Lieblingsspielzeug in einige Entfernung legen und dieses bei jedem erfolgten Blickkontakt näher zum Kind rücken. Die Möglichkeiten, Ihr Kind zu motivieren, sind vielfältig. Da Sie Ihr Kind am besten kennen, können auch nur Sie abschätzen, was Sie als Belohnung einsetzen können.

    Seien Sie zu Beginn nicht enttäuscht, wenn Ihr Kind Blickkontakt auch mit Belohnung verweigert. Es genügt zu Anfang, wenn Ihr Kind zumindest in Ihre Richtung blickt. Denken Sie daran, dass Ihr Kind dies alles erst üben muss und beachten Sie auch, dass Ihr Kind Blickkontakt als beinahe körperlichen Schmerz empfindet. Sie verlangen also, dass Ihr Kind Schmerz ertragen soll. Würden Sie das gern wollen?

  • Arbeiten mit einem Spiegel

    Wenn Ihr Kind Sie nicht direkt anschauen mag, versuchen Sie es mit einem Spiegelbild. Setzen Sie sich dazu mit Ihrem Kind vor einen Spiegel, der groß genug ist, um beide im Spiegel sehen zu können. Legen Sie den Finger auf den Mund Ihres Spiegelbildes und fordern Sie Ihr Kind auf, es Ihnen nachzumachen. Helfen Sie Ihrem Kind unter Umständen, indem Sie die Hand Ihres Kindes führen. Berühren Sie auch Nase, Ohren, Augen, Stirn und so weiter. Ebenso können Sie das Spiegelbild Ihres Kindes berühren. Wenn dies gelingt, berühren Sie bei späteren Übungen nicht mehr Ihr Spiegelbild, sondern sich selbst.

    Ist Ihnen auch dies gelungen, können Sie zeitweise und später ganz auf den Spiegel verzichten und setzen sich dafür Ihrem Kind gegenüber. Jetzt sollten Sie das Spiegelbild Ihres Kindes sein. Das heißt: Wenn Sie Ihre Nase berühren, sollte Ihr Kind es Ihnen nachmachen und die eigene Nase berühren. Sie können auch Grimassen schneiden, die Ihr Kind imitiert. Fragen Sie Ihr Kind auch, welche Augenfarbe Sie haben. Durch solche Fragen muss Ihr Kind Sie auch anschauen.

  • Bestrafung für nicht erfolgten Blickkontakt

    Es sollte sich von selbst verstehen, dass eine Bestrafung keine geeignete Methode ist, ein Kind zu motivieren. Eine Bestrafung setzt voraus, dass sich ein Kind seines Fehlers auch bewusst ist. Jemanden nicht anzuschauen, bedeutet einem Schmerz auszuweichen, so schwer ein solcher Schmerz für normale Menschen auch nachzuvollziehen ist. Ersetzen Sie Bestrafung durch Konsequenz. Stellen Sie Regeln auf und halten Sie sich auch daran. Ändern Sie Regeln nur nach Ankündigung. Das gibt Ihrem Kind Sicherheit.